Insider

Die Stimme junger Flüchtlinge

Flüchtlinge – damals und heute

Die Geschichten von Sefika (damals) und Alima (heute)

von Joy Osagie

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Flüchtlingsthema ist nicht neu, schon immer gab es Flüchtlinge in Österreich. Wie war das Leben in Österreich für Flüchtlinge vor 20 Jahren? War das Leben schwieriger für sie oder leichter als heute? Hatten sie die gleichen Probleme und Sorgen?

Um diese Fragen zu beantworten, haben wir zwei Interviews geführt und erzählen zwei Lebensgeschichten:

Sefika ist 60 Jahre alt und kommt aus Bosnien. Sie ist 1992 nach Österreich gekommen. Wegen des Krieges in ihrem Heimatsland Bosnien ist sie nach Wien gekommen.

Der Anfang war nicht leicht für sie. Alles war neu, sehr schwierig und sie war sehr traurig. Sie musste oft weinen. Es war nicht einfach, so viel zu warten, sie wusste nicht was passiert. Sie wollte zurück nach Hause. Sie hat gehofft, dass sich die Situation zu Hause ändert.

Ein Jahr hat sie mit ihren zwei Kindern und vielen Leuten in einem Pfarrsaal im 19. Bezirk gewohnt. Mit mehr als 30 Leuten musste sie sich das ganze Jahr lang den Raum teilen. Das war sehr schwierig und eine lange Zeit.

Aber schön war für sie , dass sie so viele nette Österreicher kennengelernt hat. Im ersten Jahr haben ihr viele Menschen von der Pfarre geholfen – mit Essen, Trinken, Kleidung usw. Zwei alte Männer aus der Pfarre haben Deutschunterricht gegeben. Nachher besuchte sie einen richtigen Deutschkurs.

Durch eine Frau von der Pfarre hat sie eine Arbeit bekommen – und durch ihre Arbeit auch Papiere. Es war offiziell: Sefika durfte in Österreich bleiben! Endlich hatte sie Sicherheit und es ging ihr besser als am Anfang.

Ihre Kinder, ein Bub und ein Mädchen, sind hier in die Schule gegangen, haben einen guten Beruf gelernt und arbeiten jetzt hier. Ihre Tochter hat die österreichisches Staatsbürgerschaft, ihr Sohn wollte sie nicht. Auch wenn er die österreichische Staatsbürgerschaft hätte, wäre er in seinem Herzen immer Bosnier. Aber für seine Frau und seine Kinder hat er die österreichische Staatsbürgerschaft besorgt. Sefika wollte die Staatsbürgerschaft auch nicht haben. Sie ist vor zwei Monaten in Pension gegangen, jetzt ist sie zurück nach Bosnien gegangen und wohnt dort mit ihrem Mann. Sie ist glücklich.

Alima ist 2013 aus Sierra Leone nach Österreich geflüchtet. Sie war 15 Jahre alt.

Als sie vier Jahre alt und noch in Sierra Leone war, ist ihre Mutter gestorben. Dann hat sie bei einer Freundin von ihrer Mutter gelebt. Mit 11 Jahren wurde sie an einen Mann aus Lybien verkauft. Sie musste zwei Jahre mit dem arabischen Mann im Haus leben. Sie hat dort kein Essen bekommen und wurde sehr schlecht behandelt.

2009 wurde sie von ihm als Prostituierte verkauft. Während sie als Prostituierte gearbeitet hat, hat sie eine Frau kennengelernt. Ihr Name war Aisha. Aisha hat sie gerettet! Gemeinsam konnten sie aus dem arabischen Land zurück nach Afrika, in den Senegal, fliehen. Mit Aishas Hilfe ist sie über den Libanon und die Türkei schließlich nach Griechenland gekommen.

In Griechenland hatte Alima keine Arbeit, es war sehr schwierig für sie. Sie hatte keine Papiere, um das Land zu verlassen. Sie wollte ja nie nach Griechenland. Über Serbien und Ungarn schaffte sie es endlich nach Österreich. Sie hatte davor noch nie von Österreich gehört, nur von Australien. Sie wusste nicht, dass Österreich in Europa ist.

Die ersten zwei Wochen verbrachte Alima in Traiskirchen. Sie bekam die weiße Karte und konnte von Traiskirchen in eine Frauen-WG ziehen. Sie besuchte einen ersten Deutschkurs und lernte das Leben in Österreich ein bisschen kennen.

Jetzt holt sie den Schulabschluss nach und macht erste Schnuppertage als Köchin.

Der Anfang in Österreich war sehr schwer für sie. Sie hat Augustin Zeitung verkauft. Sie konnte nichts verstehen und fühlte sich sehr einsam. Sie hatte keinen Anschluss zu anderen jungen Leuten und die WG war weit von der Stadt entfernt.

Nach einem Jahr wurde das Leben in Österreich langsam besser. Sie lernte bei ihrer Arbeit als Zeitungsverkäuferin eine Österreicherin kennen, die ihr viel geholfen hat. Sie bezahlte für Alima den Deutschkurs, organisierte für sie eine Geburtstagsfeier und schenkte ihr sogar ein Fahrrad, damit für Alima alles leichter wird.

Leider ist Alima noch im Asylverfahren. Sie betet für einen positiv und schnellen Entscheid, damit sie endlich ihr Leben in Österreich beginnen kann.

Obwohl Sefika und Alima aus ganz verschiedenen Ländern flüchten mussten und unterschiedlich alt sind, gibt es vieles, das sie verbindet: Damals und heute war und ist der Anfang in Österreich für Flüchtlinge sehr schwer. Beide fühlten sich einsam und traurig. Doch für beide änderte sich das Leben sobald sie die ersten Österreicher kennenlernten. Die Freundschaft zu ÖsterreicherInnen half beiden Frauen, wieder Hoffnung zu bekommen.

Der Unterschied zwischen Alima und Sefika ist, dass Alima nicht mehr nach Afrika zurück will. Sie möchte einmal die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen, als Köchin arbeiten, hier heiraten und ihre Kinder (am liebsten 4!) großziehen.

 

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